Kostenlos Jobwunsch eintragen und Jobangebote von Arbeitgebern erhalten

Besuchen Sie uns bei Youtube! Besuchen Sie uns bei Facebook!

Altenpflege: Niedrige Gehälter trotz Fachkräftemangel

05.04.2016

Altenpflege: Niedrige Gehälter trotz Fachkräftemangel


Trotz immer mehr unbesetzter Stellen in der Altenpflege, ist das Einkommen niedrig. Besserung ist nur für die Fachkräfte in Sicht, die sich spezialisieren und gut verkaufen können.

Von Michael Vogel

Deutschland, Land der Alten. 2,5 Millionen Pflegebedürftige gibt es laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln). Iin vierzig Jahren werde durch den demografischen Wandel die Zahl der Pflegebedürftigen vermutlich auf vier Millionen steigen, so die Prognose. 

Bedarf an Fachkräften in der Altenpflege wird steigen

Eine gesellschaftliche Herausforderung und eine arbeitsmarktpolitische Aufgabe. Denn mit der steigenden Zahl Pflegebedürftiger wird sich auch der Bedarf an qualifizierten Betreuungskräften erhöhen. Laut dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) – der Interessenvertretung privater Pflegeeinrichtungen –, kommen schon heute auf drei unbesetzte Stellen nur eine Arbeit suchende Altenpflegefachkraft.

"Wir haben in der Pflege einen Fachkräftemangel", sagt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). "Freie Stellen werden schon gar nicht mehr an die Bundesagentur für Arbeit gemeldet, weil die Arbeitgeber eh wenig Hoffnung haben, sie auf diesem Wege besetzen zu können." 

Fast jede Sozialstation spürt Mangel an Altenpflegern

Arbeitslose Pflegekräfte seien häufig nicht vermittelbar, weil sie zum Beispiel gesundheitliche Probleme hätten oder alleinerziehend seien. Im Umkehrschluss bedeutet das: "Wer eine Stelle in der Altenpflege sucht, muss oft keine Bewerbung vorab schicken, ein Anruf genügt. Und eine Einstellung kann dann höchstens noch an erbärmlichen Zeugnisnoten scheitern."

Das IW Köln hat unter Berufung auf die Caritas, einen der wichtigen Träger in der Altenpflege, den Fachkräftemangel noch etwas plastischer werden lassen: Demnach gaben bei einer Befragung unter mehr als 900 Einrichtungen zum Jahreswechsel 2010/11 fast 80 Prozent der Sozialstationen und fast genauso viele Einrichtungen der stationären Altenpflege an, den Fachkräftemangel zu spüren. In der Kurzzeitpflege ist jede zweite Einrichtung betroffen.

Anteil privater Träger in der Altenpflege steigt

In der Altenpflege sind viele Quereinsteiger tätig, die Ausbildung ist erst seit dem Jahr 2000 für alle Bundesländer einheitlich geregelt. Derzeit arbeiten laut dem IW Köln 970.000 Beschäftigte in der Altenpflege. Da es viele Teilzeitkräfte gibt, entspricht diese Zahl 680.000 Vollzeitstellen – drei Viertel davon entfallen auf die stationäre Pflege, ein Viertel auf die ambulante. 

Das IW Köln schätzt, dass gemeinnützige Träger fast 60 Prozent der 781.000 Pflegeheimplätze in Deutschland stellen, private Träger 35 Prozent, der Rest entfällt auf öffentliche Träger, die sich immer mehr aus der Altenpflege zurückziehen. Es wird davon ausgegangen, dass in den kommenden Jahrzehnten der Anteil der privaten Träger weiter steigen wird.

Öffentlicher Dienst zahlt oft die besten Gehälter in der Altenpflege

"Private zahlen jedoch in der Regel weniger als öffentliche Träger, wo die Einkommen sich nach dem Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes richten", sagt DBfK-Referentin Knüppel. Entweder haben die privaten Arbeitgeber einen Haustarif oder sind reine Verhandlungssache.

Auch die gemeinnützigen Einrichtungen zahlen häufig niedrigere Gehälter als der öffentliche Dienst. Da Altenpflege immer auch Schicht- und Wochenendarbeit bedeutet, sind die Gehälter auch nur für den jeweils konkreten Fall miteinander vergleichbar, zumal noch Zusatzleistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld unterschiedlich gehandhabt werden.

Offensiv für mehr Gehalt oder geldwerte Vorteile verhandeln 

"Angesichts des Fachkräftemangels sollten die Pflegekräfte offensiv verhandeln", rät Knüppel, obwohl sie weiß, "dass dazu viele nicht geboren sind". Es müsse dabei aber ja nicht nur ums Gehalt gehen, sondern könne zum Beispiel auch geldwerte Vorteile betreffen, gibt sie zu bedenken. 

Laut einer detaillierten, wenn auch etwas älteren, Analyse, die das Internationale Institut für empirische Sozialökonomie im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in den Jahren 2007/08 durchgeführt hat, verdient die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten in der Altenpflege monatlich höchstens 1500 Euro brutto. Bei gut einem Viertel der Vollzeitbeschäftigten liegt das Monatsgehalt zwischen 1500 und 2000 Euro und nur stark ein Fünftel geht mit mehr als 2000 Euro nach Hause.

Weiterbildung hilft: Spezialisten und Führungskräfte verdienen besser

Ein höheres Einkommen erzielen können Fachkräfte, die sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen. "Beispiele für die Spezialisierung sind die Gerontopsychiatrie oder die Qualitätssicherung", sagt Martin Petzold, Zweiter Bundesvorsitzender des Deutschen Berufsverbands für Altenpflege (DBVA). 

"Führungspositionen sind zum Beispiel die Heim-, Pflegedienst- oder Wohnbereichsleitung." Die Dotierung letzterer Stellen richtet sich nach der Zahl der betreuten Bewohner und deren Pflegegrad sowie der Zahl der Mitarbeiter. DBfK-Referentin Knüppel ergänzt, dass es auch in der Lehre, also an Pflegeschulen, besser dotierte Jobs gibt.

Weitere News